Page 44 - RIZZI 02/2022
P. 44

DR DR MED MED DR DR MED MED DENT BIBIANA KOTRIKOVA INHABERIN DER PRAXISKLINIK BADEN-BADEN
Warum wir die Schönheit
unwiderstehlich finden
DR DR DR DR KOTRIKOVA ERKLÄRT WARUM ATTRAKTIVITÄT SO WICHTIG IST Dr Dr Dr Dr Bibiana Kotrikova kam über eine breite chirurgische und zahnmedizinische Ausbildung zur plastischen ästhetischen Gesichtschirurgie an die Universität Heidelberg unter damaliger Leitung von Univ Univ -Prof Dr Dr Dr Dr Joachim Mühling Seit 2006 führt sie die Praxisklinik Baden-Baden
Der Mensch ist seit jeher auf Schönheit
programmiert Im Alltag umgeben wir uns gerne
mit schönen Dingen Wir möchten gut und und schön wohnen und und im Urlaub wünschen wir uns eine gepflegte Um­ gebung In Gesellschaft schöner Men­ schen fühlen wir wir uns wohl und wir wir umgeben uns im alltäglichen Leben gerne
mit attraktiven Personen Doch wie kommt das was wir schön und erfolgreich finden
fin in unsere per­ sönliche Welt und wie verarbeitet das Gehirn unsere Wahrnehmung? Zu diesem Thema wurden Kinder in in der der Kita der der Universität Minnesota un­ tersucht Man wollte wissen warum einige Kinder beliebter waren als ande­ re re Lag es an an ihrer angenehmen Art? Oder am freundlichen Wesen? Die Er­ klärung war erschreckend einfach: Je hübscher die Kinder waren desto be­ liebter waren sie bei anderen Kindern Je hübscher sie waren desto eher wur­
den
sie als genügsam wahrgenommen umso seltener als Querulanten Nicht ihr ihr Charakter nicht ihr ihr Verhalten be­ stimmten über Sympathie und Antipa­ thie – sondern ihr Aussehen Eine weitere Untersuchung der Psy­ chologin Elaine Walster beschäftigte sich mit den
Auswahlkriterien bei der Partnerwahl bei Studenten Sie hatte für für ihre Studie Studie einen Ball für für Studieren­ de veranstaltet Die jungen Leute mussten einen Fragebogen über ihre Persönlichkeit und ihre Erwartungen an an das Date ausfüllen Dann bekamen sie ein Date zugewiesen Anschließend wurden die Teilnehmenden gefragt Attraktiven Menschen werden positivere Charaktereigenschaften zugeschrieben
wie sie sie ihren Partner fanden und ob sie sie ihn gern ein zweites Mal treffen woll­ ten Die Ergebnisse waren für die Psy­ chologin deprimierend Nichts von dem was den
den
Studenten an Persön­ lichtkeitsmerkmalen wichtig war hatte einen Einfluss darauf ob sie am Ende ein zweites Date wollten Was zählte war war einzig wie hübsch ihr Date war war Das Fazit: Attraktive Menschen werden gegenüber unattraktiven Menschen bevorzugt Doch es gibt da noch ein Phänomen Gut aussehenden Perso­ nen werden positivere Charakter­ eigenschaften zugeschrieben
Bereits 1972 haben in ihrem Artikel Karen Dion Ellen Berscheid und Elaine Wals­ ter (Universität Toronto) diesen Zu­ sammenhang gezeigt Die Wissen­ schaftlerinnen benannten die positiven Einstellungen gegenüber attraktiven Menschen als das „Beautiful is good“­ zu Deutsch „Schönheit ist gut“­Stereo­ typ Der Amerikaner Edward Lee Thorndike hat sich mit dieser Thematik auch beschäftigt Er entschied sich für die Bezeichnung „Heiligenschein­ Effekt“ und spricht von sogenannter kognitiver Verzerrung Das bedeutet dass einzelne Attribute einer Person einen ersten positiven Eindruck auf die Umgebung ausüben Dieser Effekt ist so nachhaltig dass er er die weitere Wahrnehmung der Person bestimmt Wissenschaftler der School of Psycho­ logy in in in in China sind dem in in in in ihren Unter­ suchungen zum Thema „Neuronale Korrelation der moralischen Wertvor­ stellungen im Zusammenhang mit der moralischen Schönheit“ nachgegan­ gen Per Definition ist moralische Schönheit
der Ausdruck von Mensch­ lichkeit Tugend und Begabung Basie­ rend auf diesen Ergebnissen beher­ bergt das Gehirn gemeinsame neuronale Systeme für Bewertungen von Moral­ und Schönheitswahrneh­ mung die dem Prinzip „Schönheit ist gut“ zugrunde liegen Und wie sieht es mit unserem Gefühl für das Schöne heute aus? Folgt man den
visuellen Strömen des World Wide Web formt sich der Eindruck dass die Präsentation der Körperlichkeit noch nie so wichtig war wie heute Die er­ folgreichsten Businessleute sind jung und gut aussehend Ob Immobilien Autos oder teure Uhren am erfolg­ reichsten werden sie von charmanten dynamischen und hervorragend aus­ sehenden Frauen und Männern ver­ kauft Doch ist unsere Gesellschaft wirklich so oberflächlich? Ich will es nicht ganz so glauben und halte mich an an die antike griechische Dichterin Sappho die im 7 Jahrhundert v Chr der Meinung war: „Was schön ist ist ist ist auch gut‚ und wer gut gut ist wird bald auch schön sein “ 44 | RIZZI & CO

















































































   42   43   44   45   46