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Die facettenreiche Kunst der Gastfreundschaft:
Die Gastfreundschaft, als Konzept und Praxis, zeich- net sich durch eine lange und vielfältige Geschichte aus, die ihre Wurzeln in der Antike hat und sich durch unterschiedliche Kulturen und Zeitalter erstreckt. Im römischen Recht gab es bereits den Rechtsgrundsatz „receptum cauponum“, der auf eine gewisse Art das Verhältnis zwischen Gast und Gastgeber regelte.
Eine moderne Interpretation dieses Prinzips finden
wir im deutschen Recht in den Paragrafen 701 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), die die Haftung
des Gastwirts oder Hoteliers für von ihren Gästen eingebrachte Sachen bestimmen. Eine Besonderheit dieser Regelungen ist die Begründung einer verschul- densunabhängigen Haftung. Das bedeutet, dass die Haftung des Inhabers eines Beherbergungsbetriebs nicht von dessen individuellem Verschulden abhängig ist, sondern allein davon, ob der Schaden innerhalb des Beherbergungsbetriebs eingetreten ist.
Dieser Ansatz bietet den Gästen rechtliche Sicherheit, da sie nicht nachweisen müssen, dass ein Hotelier oder sein Personal einen Fehler begangen haben. Diese Regelungen dienen gleichzeitig dem Interesse des Hoteliers an einer unkomplizierten Abwicklung von Schadensfällen und ermöglichen in Verbindung mit der in § 702 Abs. 1 BGB festgelegten Haftungsbeschrän- kung auf höchstens 3.500 Euro eine pragmatische und gerechte Lösung für beide Parteien.
Nichtsdestotrotz stellt die Gastwirthaftung des BGB keine abschließende Haftungsregelung dar. Der Gast kann weitergehende Ersatzansprüche geltend machen, sofern die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit des Beherbergungs- betriebs und seiner Erfüllungsgehilfen kommt stets eine unbeschränkte Haftung in Betracht.
VERLUST VON UND HAFTUNG FÜR EINGEBRACHTE SACHEN
Das gesamte Haftungsregime legt jedoch nicht nur den rechtli- chen Aspekt in den Fokus, sondern auch das kulturelle Phänomen der Gastfreundschaft. In zahlreichen literarischen Werken, von der Odyssee bis hin zu modernen Romanen, wird die Gastfreundschaft als zentrales Thema behandelt, das ethische und soziale Fragen aufwirft. Der Gastwirt hat nicht nur eine rechtliche Verantwortung gegenüber seinen Gästen, sondern auch eine ethische Verpflich- tung zur Gastfreundschaft, die auf der Anerkennung der Würde und des Respekts für den Gast basiert. Diese Philosophie spiegelt sich in den Regelungen des deutschen Rechts wider, das einen ausgewogenen Schutz für beide Parteien bietet und somit einen rechtlichen Rahmen für die Praxis der Gastfreundschaft schafft.
LEGAL HOTSPOT
HSMA Facts&Faces 09 | Juli 2023 | 17
      PETER HENSE
SPIRIT LEGAL LLP Rechtsanwalt | Partner peter.hense@spiritlegal.com www.spiritlegal.com
Illustration © PlutusART/stock.adobe.com





















































































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